Press release
- Weltweites Angebot an Stablecoins wächst bis 2030 auf das bis zu Zwölffache
- Banken stehen vor einem grundlegenden Umbruch im Wholesale Banking und müssen ihre strategische Position neu definieren
- Effizienzgewinne durch schnellere Transaktionen und bessere Kapitalnutzung adressieren zentrale Schwächen im heutigen Zahlungsverkehr
Das weltweite Angebot an Stablecoins dürfte sich bis 2030 auf das Fünf- bis Zwölffache erhöhen. Digitale Bargeldinstrumente sind dabei, die Architektur des Zahlungsverkehrs grundlegend zu verändern – für Banken wird es damit zur dringenden strategischen Priorität, ihre Rolle in diesem Ökosystem neu zu definieren. Das hat die Studie „From Hype to Hard Value: Stablecoin and the Great Rewiring of Wholesale Banking” der internationalen Unternehmensberatung Bain & Company ergeben.
Das Wholesale Banking befindet sich vor diesem Hintergrund in einem grundlegenden Umbruch. „Stablecoins und tokenisierte Einlagen wandeln sich rasant von überwiegend spekulativen Instrumenten hin zu tragenden Elementen der Finanzinfrastruktur – insbesondere als strategische Liquiditätsinstrumente für Banken“, erklärt Walter Sinn, Chairman von Bain in Deutschland und Österreich. „Für Institute stellt sich damit nicht mehr die Frage, ob Stablecoins relevant werden – sondern vielmehr, wo sie sich positionieren und wie schnell sie handeln sollten.
Internationalen Zahlungsverkehr neu gestalten
Stablecoins, ursprünglich für den Krypto-Handel entwickelt, werden zunehmend zu einer strategischen Priorität für Banken und multinationale Unternehmen. Sie adressieren zentrale Ineffizienzen im internationalen Zahlungsverkehr. Erste Institute setzen Stablecoins und verwandte digitale Geldinstrumente bereits gezielt im Devisenhandel, in Treasury-Prozessen sowie im Sicherheitenmanagement ein. Gleichzeitig bestehen im globalen Zahlungsverkehr weiterhin strukturelle Schwächen: Fragmentierte Devisenmärkte, verzögerte Abwicklungsprozesse und Vorfinanzierungsanforderungen bremsen den Kapitalfluss.
Im Wholesale Banking entstehen so erhebliche Reibungsverluste – in Form gebundenen Kapitals, persistenter Risikopositionen und operativer Komplexität über Zeitzonen hinweg. „Daraus ergibt sich ein erhebliches Potenzial für Stablecoins und durchgängig verfügbare digitale Instrumente, die grenzüberschreitende Transaktionen nahezu in Echtzeit und mit geringeren strukturellen Hürden ermöglichen“, betont Bain-Partner und Branchenexperte Jens Oesterle. Laut einer globalen Bain-Befragung zählt die Komplexität internationaler Zahlungen für 34 Prozent der CFOs zu den größten Schwierigkeiten beim Geldtransfer.
Kapital schneller bewegen und effizienter einsetzen
Stablecoins und tokenisierte Einlagen hingegen ermöglichen eine nahezu sofortige, programmierbare Übertragung von Werten zwischen Institutionen sowie über Ländergrenzen hinweg. Zudem reduzieren sie Verzögerungen in Transaktionen und Abwicklungszyklen. Mit zunehmender Verbreitung und Nutzung von Stablecoins und digitalen Vermögenswerten können Mittel schneller über Transaktionen hinweg wiederverwendet werden. Dies verbessert die Kapitaleffizienz, verringert den Bedarf an vorfinanzierter Liquidität und versetzt Banken in die Lage, ihr Kapital gezielter einzusetzen.
„Es geht längst nicht mehr nur um schnellere Zahlungen, sondern um eine strategische Frage der Kontrolle darüber, wie Geld künftig durch das globale Finanzsystem fließt“, betont Oesterle. Mit der zunehmenden Verbreitung von Stablecoins stehen Banken jedoch vor einem sich schließenden Zeitfenster, um ihre Position zu bestimmen. „Wer früh handelt, kann die neuen Abwicklungsnetzwerke aktiv mitgestalten. Zögerliche Akteure riskieren, auf einer von anderen definierten Infrastruktur operieren“, so Oesterle.
Regulatorische Anforderungen und Umsetzung meistern
Wie schnell sich Stablecoins und digitale Einlagen in der Breite etablieren, hängt nicht zuletzt von regulatorischen und operativen Hürden ab. Insbesondere Compliance-Anforderungen – darunter Sanktionsprüfungen und Transaktionsmonitoring – stellen weiterhin eine zentrale Hürde dar, vor allem im grenzüberschreitenden Kontext.
Die Bain-Studie identifiziert daher einige zentrale Handlungsfelder für Banken. So sollten sie sich zunächst auf Anwendungsfälle konzentrieren, bei denen die Reibungsverluste hoch sind und wo Liquiditätsverbesserungen unmittelbar Mehrwert schaffen. Ebenso wichtig ist es, frühzeitig in Compliance, Datenintegration und operative Infrastruktur zu investieren. Bevor eine breitere Teilnahme an Netzwerken skaliert wird, sind einzelne Use Cases gezielt zu pilotieren. Die Emission eigener Stablecoins oder tokenisierter Einlagen empfiehlt sich hingegen erst dann, wenn eine ausreichende Skalierung und Nachfrage erreicht sind.
Traditionelle und digitale Finanzwelt zusammenführen
Mit der zunehmenden Konvergenz von digitalen und traditionellen Finanzsystemen müssen Institute künftig in beiden Welten parallel operieren, ohne Liquidität zu fragmentieren. Stablecoins und tokenisierte Einlagen werden dabei die bestehende Bankeninfrastruktur voraussichtlich nicht ersetzen, sondern ergänzen. Dadurch entsteht eine duale Struktur im Sinne von „zwei Schienen, ein System“, in der Kapital nahtlos zwischen traditionellen und digitalen Systemen fließen kann. Die Verwahrung digitaler Vermögenswerte muss dafür in etablierte Risikorahmen eingebettet werden. Darüber hinaus dürften Blockchain-Anbindungen sowie der Echtzeit-Abgleich zwischen On-Chain-Transaktionen und internen Systemen künftig zum neuen Standard werden.
„Obwohl sich regulatorische Rahmenbedingungen und Marktstandards weltweit noch entwickeln, prägen Vorreiter unter den Banken bereits heute die Gestaltung und Steuerung neuer Abwicklungsnetzwerke“, resümiert Bain-Partner Sinn. „Mit zunehmender Verbreitung von Stablecoins wird ihre frühe Positionierung entscheidend dafür sein, wo künftig Wertschöpfung im Wholesale Banking entsteht.“