Brief
Auf einen Blick
- Bayern München bleibt insbesondere im Sponsoring und in der Markenpositionierung führend
- Der VfB Stuttgart mobilisiert seine Fanbasis am effektivsten, Bayer Leverkusen ist Spitzenreiter im Merchandising
- Das wirtschaftliche Ungleichgewicht ist in der Bundesliga größer als in England und Italien
- Der internationale Vorsprung zwingt deutsche Klubs zu effizienterem Ressourceneinsatz
Nicht nur sportlich, auch wirtschaftlich spielt der FC Bayern in Deutschland in einer eigenen Liga. Das vierte Bundesliga-Benchmarking von Bain bestätigt die Vormachtstellung des Rekordmeisters: Nachdem Bayer Leverkusen im Vorjahr noch näher herangerückt war, stellte die Saison 2024/25 die gewohnten Kräfteverhältnisse wieder her – Bayern baute seinen Vorsprung erneut aus.
Stuttgart etabliert sich vorne
Wirtschaftlicher Vizemeister ist der VfB Stuttgart. Knapp zehn Jahre nach dem Wiederaufstieg haben sich die Schwaben in der Spitzengruppe etabliert. Eintracht Frankfurt verbessert sich trotz sportlicher Schwankungen um einen Platz im Benchmarking – ein Zeichen nachhaltiger Entwicklung. Dahinter folgen Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund: Während Dortmund seinen Gesamt-Score deutlich steigert, bleibt Leverkusen unter dem Niveau der Meistersaison.
In der unteren Tabellenhälfte zeigt sich ein bekanntes Bild: Vereine wie Hoffenheim und Wolfsburg haben es – auch aufgrund ihrer Lage abseits der Metropolen – schwer, eine breite Fanbasis zu mobilisieren. Auch der 1. FC Heidenheim fällt nach dem starken Vorjahr im aktuellen Benchmarking wirtschaftlich zurück.
Wo noch Potenziale liegen
Die Bain-Analyse zeigt, welche Werthebel bereits ausgeschöpft werden und wo noch Chancen bestehen. Mit Ausnahme von Wolfsburg und Hoffenheim erreichen nahezu alle Klubs eine Stadionauslastung von rund 95 Prozent oder mehr. Im Merchandising wiederum zeigen sich größere Unterschiede: Spitzenreiter Leverkusen liegt deutlich vor Klubs wie beispielsweise dem FC St. Pauli.
Vereine wie etwa Eintracht Frankfurt schaffen es hingegen besonders gut, Faninteresse in Käufe und Mitgliedschaften zu überführen, während der VfB Stuttgart durch hohe Aktivität in sozialen Medien hervorsticht. Insgesamt schöpft jedoch kein Bundesligist sein wirtschaftliches Potenzial bereits vollständig aus.
Premier League bleibt Maß der Dinge
Erstmals analysiert das Benchmarking auch die Wettbewerbsbalance im internationalen Vergleich. Die Bundesliga bewegt sich demnach im Mittelfeld: Größere Ungleichgewichte bestehen in Spanien und Frankreich, während sich die Kräfteverhältnisse in England und Italien zuletzt angeglichen haben.
Die Premier League bleibt dennoch führend – dank hoher Medienerlöse, globaler Vermarktung und finanzstarker Investoren. In England, aber auch in Italien kämpfen regelmäßig mehrere Vereine um den Titel. Das steigert die Attraktivität für Sponsoren und Fans gleichermaßen.
Deutsche Vereine professionalisieren sich weiter
Angesichts struktureller Einschränkungen wie etwa der 50+1-Regel müssen deutsche Klubs vor allem effizienter wirtschaften. Laut Bain-Analyse sind sie dabei auf einem guten Weg: Die Vereine werden zunehmend professionell geführt und erschließen Schritt für Schritt ungenutzte Potenziale – eine wichtige Grundlage, um auch sportlich national und international konkurrenzfähig zu bleiben.