Pressemitteilung
- Rund 15 Prozent der Kredite deutscher Banken gelten inzwischen als erhöht ausfallgefährdet – mehr als in jedem anderen EU-Land
- Die stagnierende Konjunktur treibt die erforderliche Kapitalunterlegung und die Risikovorsorge gleichermaßen nach oben
- Verschärfte Regulierungen wie Basel IV erhöhen den Handlungsdruck für deutsche Banken
- Bain-Ansatz mit fünf Hebeln und KI-gestützter Analyse optimiert den Kapitaleinsatz und verschafft Banken einen Wettbewerbsvorsprung
Die anhaltende wirtschaftliche Stagnation nimmt das Kapital deutscher Banken zunehmend in die Zange: Einerseits hat sich die Bonität der Kreditnehmer verschlechtert, wodurch die risikogewichteten Aktiva (Risk-Weighted Assets, RWA) steigen und Banken für dieselben Kredite mehr Eigenkapital vorhalten müssen. Andererseits verlangt der Rechnungslegungsstandard IFRS 9 bereits bei einer absehbaren Verschlechterung der Kreditqualität eine höhere Risikovorsorge. Diese belastet das Ergebnis und wirkt sich über die Gewinn- und Verlustrechnung auf das Eigenkapital aus. Die Folge für die Realwirtschaft: Es stehen weniger neue Kredite an den Mittelstand zur Verfügung.
Wie stark die Kreditqualität bereits gelitten hat, zeigt die sogenannte Stage-2-Quote. Sie ist die Frühwarnstufe der Bilanzregeln für Kredite, deren Ausfallrisiko deutlich gestiegen ist, ohne dass der Kunde bereits zahlungsunfähig ist. So lag die Quote in Deutschland zum Jahresende 2025 bei 15,5 Prozent – und damit höher als in jedem anderen EU-Land. Der EU-Durchschnitt beträgt 9,1 Prozent. Grundlage der Analyse sind Daten der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde EBA, die von der Bundesvereinigung Kreditankauf und Servicing (BKS) ausgewertet wurden.
Kreditrisiken nehmen deutlich zu
Wie angespannt die Lage ist, zeigt der Blick auf die notleidenden Kredite (Non-Performing Loans, NPL). Ihr Bestand stieg von rund 30 Milliarden Euro Mitte 2023 auf 48,7 Milliarden Euro Ende 2025. Das NPL-Barometer der BKS erwartet bis Ende 2027 einen weiteren Anstieg auf 52,8 Milliarden Euro. Angesichts der hohen Stage-2-Quote dürfte dies sogar eine eher konservative Prognose darstellen. Besonders unter Druck stehen gewerbliche Immobilienfinanzierungen, wo sich die NPL-Quote seit Ende 2022 auf 6,9 Prozent mehr als verdreifacht hat. Zwar weisen einzelne Banken inzwischen wieder eine normalisierte Risikovorsorge aus, doch die NPL-Bestände bleiben hoch. Im Mittelstandsgeschäft berichten sogar 71 Prozent der Institute von wachsenden NPL-Beständen. Hinzu kommen nach Berechnungen der Wirtschaftsauskunftei Creditreform 12.900 Unternehmensinsolvenzen im ersten Halbjahr 2026 – der höchste Stand seit 2013.
Dieser Zange aus steigenden Kapitalanforderungen und wachsender Risikovorsorge können Banken nur durch aktives Kapitalmanagement entkommen. Genau hier greift ein Bain-Ansatz mit fünf Hebeln und umfassender KI-Unterstützung. „Die Optimierung der risikogewichteten Aktiva ist keine Bilanzkosmetik, sondern dringend erforderliches Kapitalmanagement“, erklärt Dr. Nikola Glusac, Bain-Partner und Leiter der Praxisgruppe Banken in der DACH-Region. „Institute, die ihre Risikomessung präzisieren und regulatorische Spielräume konsequent nutzen, gewinnen finanziellen Handlungsspielraum zurück. Anschließend können sie ihr Kapital gezielt in attraktive Geschäftsfelder lenken.“
Passive Institute gefährden Handlungsspielraum und Kapitalbasis
Zum konjunkturellen Druck kommt ein verschärftes regulatorisches Umfeld. Seit Anfang 2025 gelten mit der dritten Fassung der Capital Requirements Regulation (CRR III), allgemein als Basel IV bekannt, für bestimmte Bilanzpositionen teilweise höhere Risikogewichte. Zudem begrenzt der sogenannte Output Floor, der bis 2030 schrittweise auf 72,5 Prozent des Standardansatzes ansteigt, die Kapitalvorteile aus internen Modellen.
„Der Anstieg der risikogewichteten Aktiva ist keine Überraschung, sondern ein typischer Effekt einer schwachen Konjunktur – und er ist längst Realität“, erklärt Dr. Gerhard Schröck, Bain-Partner und Experte für Risikomanagement. „Deutschland weist inzwischen die höchste Stage-2-Quote der EU auf, während Südeuropa seine Bilanzen bereinigt hat. Institute, die darauf setzen, dass sich die Lage durch einen konjunkturellen Aufschwung von selbst erholt und deshalb passiv bleiben, verlieren wertvollen Handlungsspielraum und unterminieren ihre Kapitalbasis.“
Mit fünf Hebeln den Kapitaleinsatz optimieren
Nach Überzeugung von Bain erfordert die RWA-Zange schnelles und entschlossenes Handeln. Im Kern geht es darum, die Risikomessung zu präzisieren, regulatorische Spielräume konsequent auszuschöpfen und Kapital gezielt dort einzusetzen, wo es die höchste risikoadjustierte Rendite erzielt. Im Mittelpunkt stehen fünf Hebel:
- Höhere Qualität der Input-Parameter. Ist ein Kredit der falschen Kategorie zugeordnet, der Mittelstandsstatus eines Kunden nicht erfasst oder das Rating abgelaufen, hinterlegt die Bank typischerweise mehr Eigenkapital als nötig. Es entstehen stille RWA-Lasten. Solche Schwachstellen lassen sich regulatorisch unstrittig beheben, oft innerhalb weniger Monate.
- Verminderung der Risikoposition. Viele Banken rechnen vorhandene Sicherheiten, Bürgschaften und staatliche Garantien nicht vollständig an und binden dadurch mehr Kapital als sie müssten.
- Bessere Ratingqualität. Wer Ratings nicht regelmäßig pflegt oder schematisch fortschreibt, bewertet Kunden mitunter schlechter, als sie sind. Dadurch steigt die Kapitalanforderung.
- Aktive Portfoliosteuerung. Banken sollten zugesagte, aber ungenutzte Kreditlinien mit schwacher Rendite zurückfahren und notleidende Kredite sanieren oder verkaufen. Im Neugeschäft sollten sie die Kapitalbindung konsequent in die Preisgestaltung einbeziehen.
- Gezielter Risikotransfer. Kreditrisiken an Dritte weiterzugeben lohnt sich vor allem dort, wo die aufsichtsrechtliche Standardbewertung unter Basel IV deutlich höher ausfällt als die Bewertung im internen Risikomodell.
KI steigert Qualität und Effizienz
Damit diese Hebel ihre Wirkung schnell entfalten, bietet sich ein KI-gestützter Ansatz an. Dieser analysiert Kreditakten portfolioweit auf Fehlklassifizierungen, abgelaufene Ratings und unvollständig dokumentierte Sicherheiten. Zudem erkennt er Ausreißer und nachträglich manuell geänderte Ratings, priorisiert das Neugeschäft nach RWA-Rendite und vergleicht fortlaufend Standard- und interne Risikogewichte auf Segmentebene. So lassen sich geeignete Kandidaten für Risikotransfers innerhalb kurzer Zeit identifizieren. Was bislang Monate manueller Prüfung erforderte, gelingt damit innerhalb weniger Wochen – ohne die regulatorische Substanz der Maßnahmen zu verändern.
Auf dieser Grundlage können Banken ihre risikogewichteten Aktiva und damit die Kapitalanforderung dauerhaft und ganzheitlich steuern. Dem dient eine gemeinsame Taskforce von CFO und CRO, die Nutzung der Rendite auf risikogewichtete Aktiva (RoRWA) als zentrale Steuerungsgröße neben der Eigenkapitalrendite, ein konsequent kapitalorientiertes Pricing im Vertrieb sowie ein kontinuierliches Monitoring der Portfolioqualität. Für Branchenkenner Schröck steht fest: „Der Druck auf die Kreditqualität wird deutsche Banken noch über Jahre begleiten. RWA-Optimierung ist deshalb kein Projekt für ruhigere Zeiten, sondern die richtige Antwort auf die Herausforderungen, vor denen die Institute heute stehen. Wer jetzt handelt, verschafft sich einen strategischen Vorsprung und agiert aus einer Position der Stärke – in einem Markt, in dem viele bald nur noch reagieren können.“